Aus der Konzeption des BUND-Ortsverbands Markgröningen

Derzeit wird ein Stadtbahn-Betrieb nach der BOStrab über die bisherigen Streckenendpunkte hinaus diskutiert: im Osten bis Remseck-Aldingen, im Westen bis zum Markgröninger Festplatz. Auch wegen der favorisierten Hochflurfahrzeuge der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) erforderte dieser allerdings erhebliche Eingriffe und weit höhere Investitionen als die vom BUND-Ortsverband Markgröningen und vom Verband Region Stuttgart (VRS) vorgeschlagene Reaktivierung gemäß der EBO. Während für die komplette Stadtbahnlinie über 200 Millionen Euro zu veranschlagen wären, könnte die Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen für stark 20 Millionen Euro fit für einen modernen Nahverkehrsbetrieb mit Fahrzeugen des Typs Regio-Shuttle oder gar im Pionierbetrieb mit Wasserstoffantrieb gemacht werden. Dafür sprechen laut BUND-Ortsverband weitere Faktoren:

  1. 12 statt über 20 min. Fahrzeit bis zum Ludwigsburger Bahnhof dank höherer Geschwindigkeit und weniger Zwischenhalten als bei der Stadtbahn: Nur ein zusätzlicher Zwischenhalt in Möglingen (am Sonnenbrunnen oder an der Daimlerstraße) und einer in Ludwigsburg (beim Lotter oder bei der Danneckerstraße).
  2. Schnelles Umsteigen in die Regionalbahn auf demselben Bahnsteig oder in die S-Bahn am Nebenbahnsteig. Kurze Distanz im Bahnhof Ludwigsburg statt langem Fußweg vom Schillerdurchlass oder bestenfalls vom Busbahnhof.
  3. Binnen drei Jahren realisierbar: Planfeststellungsverfahren sind nur für Bahnübergänge und neue Haltestellen nötig. Gegen die nicht entwidmete Bahnstrecke gibt es kein wirksames Klagerecht. Beim Stadtbahnbau käme der Abschnitt nach Markgröningen als letzter, also in frühestens 15 Jahren. Planfeststellungsverfahren, Grunderwerb, Enteignungen und absehbare Einwände oder Klagen verzögern den Baubeginn der Stadtbahn ab Aldingen.
  4. Sehr geringe Betriebskosten mit nur einem Triebfahrzeug im Halbstundentakt, bei Verlängerung der Strecke mit zwei Fahrzeugen.
  5. Keine Nutzungskonflikte mit schienengebundenen Gefahrguttransporten für Lotter.
  6. Mit WEG als Betreiber Wartungsmöglichkeit in Betriebswerkstätte Korntal.
  7. Eine Verlängerung der Strecke nach Kornwestheim mit Zwischenhalt bei Wüstenrot mit künftig über 4000 Arbeitsplätzen ist im DB-Gleisraum einfach zu realisieren und erhöht den Nutzen erheblich. Fahrzeit Markgröningen-Kornwestheim: 16 min.
  8. Der BUND fordert einen zweiten Halt in der Markgröninger Innenstadt, das heißt eine frühzeitige Verlängerung der Strecke auf der Bahnhofstraße (bis zur Wernerstraße oder zur Kreissparkasse) mit parallelem Einbahnstraßensystem auf Bahnhof- und Sudetenstraße. Alternativ könnten die Triebfahrzeuge BOStrab-tauglich gemacht werden und – ohne Einbahnstraßensystem – ab dem Bahnhof als Stadtbahn bis vor die Volksbank fahren.
  9. Viel geringere Baukosten: inkl. Verlängerung nach Kornwestheim maximal 32 Mio. Euro abzüglich Fördermitteln des Landes (wegen der geringen Baukosten keine GVFG-Förderung durch den Bund). Dabei macht der BUND folgend Rechnung für die beteiligten Kommunen auf: Nach Abzug von 50 Prozent Landeszuschuss bleiben 16 Mio. Euro zu finanzieren, von denen der Landkreis laut Landrat Rainer Haas die Hälfte übernimmt. Den Rest von 8 Mio. Euro teilen sich Ludwigsburg (3 Mio.), Kornwestheim (2 Mio.), Möglingen (1,5 Mio.) und Markgröningen (1,5 Mio.). Fazit: "Bahnanschluss zum Schnäppchen-Preis!"

Während der BUND über die Verlängerung bis Kornwestheim hinaus eine Durchbindung über die Schusterbahn-Tangente nach Esslingen oder über den Abzweig Salzweg und die Strohgäubahn nach Weissach favorisiert, hat der VRS eine Durchbindung über die Stuttgarter Panoramabahn und ab Böblingen über die Schönbuchbahn nach Dettenhausen zur Diskussion gestellt. Denkbar wären aber auch eine Durchbindung nach Korntal oder die Anbindung von Pattonville und Aldingen auf einer neuen Bahnstrecke, die im Süden des neuen Wüstenrot-Haltes ausgeschleift und langfristig als regionale Nordosttangente bis nach Waiblingen verlängert werden könnte. Am 20. März 2017 stellte die Stadt Ludwigsburg ein ähnliches Konzept mit schneller Reaktivierung der Bahnstrecke vor, das zudem vorsieht, die Strecke über mehrere Ausbau-Module ins regionale Schienennetz zu integrieren. Vorerst über einen neuen W&W-Halt, dann weiter über die Schusterbahn nach Esslingen und über den Abzweig Salzweg nach Leonberg. Bei einer Bürgerinfoveranstaltung am 7. April 2017 stellte der Baubürgermeister Michael Ilk die Doppelstrategie vor, die vorsieht, mit dem Kombimodell (Regionalbahn und BRT) zu beginnen und gleichzeitig einen GVFG-Förderantrag für eine Niederflurstadtbahn zu stellen. Damit halte man sich für die Zukunft alle Optionen offen und könne die Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen künftig im Mischvertrieb von Eisenbahn und Stadtbahn im Mischbetrieb befahren. Wenn beide im Halbstundentakt verkehren, ergäbe sich ein Viertelstundentakt.

Optionale Verlängerung bis Endhaltepunkt Innenstadt auf der Bahnhofstraße.
Bild: BUND Markgröningen


Anbindung an einen Metropolexpress auf der Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart

Wir unterstützen zudem das vom BUND-Ortsverband Markgröningen vorgeschlagene integrierte Schienenverkehrskonzept für eine reaktivierte Eisenbahn und eine Niederflur-Stadtbahn im Mischbetrieb, ebenso die Anbindung an die Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart. Zwischen der Münchinger und der Schwieberdinger Straße könnte ein Haltepunkt für einen  Metropolexpress geschaffen werden, der auf einer neuen regionalen Durchmesserlinie (Mühlacker)-Vaihingen-Markgröningen/Schwieberdingen – Stuttgart (Hbf) – Esslingen – Wendlingen-(Nürtingen) verkehrt. Alternativ könnte die Strecke auch von Feuerbach über die Panoramabahn mit Stuttgart-Vaihingen und Böblingen verbunden werden.  Ein 200 km/h schnelles Doppelstock-Triebfahrzeug wie der „KISS” von Stadler könnte im Schnellbahntakt mithalten. Wie hier könnten auch andernorts zahlreiche Pendler zum Umstieg auf dieses konkurrenzlos schnelle Verkehrsmittel bewegt werden. Weiterer Straßenbau wie der Ausbau der Umfahrungen von Markgröningen und Unterriexingen wären obsolet.

Die Stadtbahn soll über den Markgröninger Bahnhof, das Bildungszentrum und einen neuen Haltepunkt für einen Metropolexpress auf der Schnellfahrstrecke nach Schwieberdingen geführt werden. Züge der Bahnlinie Kornwestheim-Markgröningen verkehren über die Bahnhofstraße bis zur Kreissparkasse (H). Die Niederflurstadtbahn wird zweispurig auf der Daimlerstraße und dem Stuttgarter Weg zum Bildungszentrum geführt und über eine Steigungsschleife um den Sportplatz herum zum Haltepunkt des Metropolexpress beim neuen Gewerbegebiet.
Bild: BUND, Vorlage Google Maps