Mehr Verkehr durch die geplante Nordumfahrung

Die geplante Vollendung der Umfahrung von Markgröningen durch eine Nordumfahrung wird mit einer damit einhergehenden Verkehrsentlastung begründet. In einer von der Stadt 2010 bei dem Verkehrsplanungsbüro Stahl in Auftrag gegebenen Untersuchung wird eine erhebliche Verkehrsentlastung in Markgröningen durch die geplante Fortführung bis zur Unterriexinger Straße prognostiziert. Durch die ebenfalls empfohlene Umfahrung des Stadtteils Unterriexingen wird eine weitere Verkehrsentlastung prognostiziert.

 

Wir sind der Überzeugung, dass diese Prognosen nicht stimmen. Wir sind des Weiteren der Meinung, dass unser Eintreten gegen die Umfahrung keine Aktion zu Lasten der durch den Verkehr geplagten Anwohner der Unterriexinger Straße, der Schiller- und der Grabenstraße ist. Dafür gibt es gute Gründe, die wir im Folgenden darstellen.

 

Die neue Nord-Süd-Magistrale

Gemäß den Vorgaben der Stadtverwaltung soll die Umfahrung von Markgröningen eine kommunale Maßnahme zur Beruhigung des innerörtlichen Verkehrs sein. Die Maßnahme muss jedoch auch im überörtlichen Kontext betrachtet werden. Sieht man sich den Regionalverkehrsplan genauer an, dann wird schnell klar, dass den Umfahrungen von Markgröningen und Unterriexingen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Die Landesstraße L 1141 (die Straße von Sachsenheim über Markgröningen nach Ditzingen) ist laut Regionalverkehrsplan die einzige Straße im Bereich von Markgröningen mit überregionaler Bedeutung. Dies ist der Beschreibung der Maßnahme Nr. 371 zum Regionalverkehrsplan (gemeint ist die geplante Nordumfahrung) zu entnehmen. Dort heißt es: "Nach Realisierung der Gesamtmaßnahme und auch aufgrund des bereits erfolgten Baus der Umfahrung Münchingen kommt der L 1141 eine Funktion für regionalbedeutsame Verkehre der Verbindungsfunktionsstufe III zu (Verbindung des Unter- bzw. Kleinzentrums Ditzingen und Sachsenheim) ..."

Quelle: Openstreetmap

Das Verkehrsgutachten des Büro Stahl aus dem Jahr 2010

Vom Verkehrsplaner Stahl wurden im Jahr 2010 zwei Verkehrswirksamkeitsstudien im Auftrag der Stadt Markgröningen erstellt. Die eine (als Teil A bezeichnet) enthält eine Verkehrsprognose, die eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs durch Markgröningen nach der Herstellung der Nordumfahrung von Markgröningen um 6.680 KFZ/Tag voraussagt. Die Verkehrsprognose (Teil B), die die Auswirkungen einer Unfahrung von Unterriexingen darstellt, prognostiziert eine Verringerung des Durchgangsverkehrs durch Unterriexingen um 3.200 KFZ/Tag. Was bei der Betrachtung der Verkehrsentwicklung durch das Büro Stahl vollkommen unberücksichtigt bleibt, ist eine Prognose für das überregionale Verkehrsaufkommen nach der Realisierung beider Umfahrungen. Denn gemäß einem Gemeinderatsbeschluss vom April 2017 soll zuerst der vierspurige Ausbau der B 10, der Enztalbstieg, die Umfahrung von Unterriexingen und dann die Nordumfahrung von Markgröningen realisiert werden.

 

Das Gewerbegebiet Eichwald

In der Verkehrswirksamkeitsstudie des Büro Stahl aus dem Jahr 2010 ist das durch die Erstellung des Gewerbegebietes Eichwald und dessen aktuelle Erweiterung erzeugte zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht berücksichtigt, da es zum damaligen Zeitpunkt nicht im jetzigen Ausmaß erkennbar war. Bei diesem zu erwartenden zusätzlichen Verkehrsaufkommen handelt es sich in erster Linie um Schwerlastverkehre. Denn wie die Bietigheimer Zeitung in Ihrer Ausgabe vom 5. 7. 2017 richtig schreibt, müsste das Gebiet Eichwald nicht Gewerbegebiet sondern eigentlich Logistikpark heissen. Wer sich ein Bild von der Dimension dieses "Logistikparkes" machen will, kann dies hier tun.

 

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass das Verkehrsgutachten des Büro Stahl, folgende zukünftige Einflussfaktoren für das Verkehrsaufkommen nicht berücksichtigt:

  • den vierspurigen Ausbau der B10 und den Bau des Enztalabstiegs
  • den Bau und die Erweiterung des Logistikzentrum Eichwald
  • der Bau der Umfahrungen in Unterriexingen und Markgröningen als Gesamtmaßnahme
  • die strategischen Zielsetzungen des Regionalverkehrsplans zu einer Nord-Süd-Magistrale

Zu befürchten ist vielmehr, dass sich durch diese regionalen Einflussfaktoren eine Blechlawine mit überwiegend Schwerlastverkehren rund um Markgröningen ergießen wird. Genauso wird der durch das bestehende LKW-Durchfahrtsverbot durch Markgröningen weitgehend ausgebremste LKW-Durchgangsverkehr auf diese neue, direkte Magistrale über Markgröningen in Richtung Stuttgart gelenkt. Damit ist ein Verkehrsstrom von ganz neuem Ausmaß mit deutliche gravierenderen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu erwarten.


Die drohende Schwerlastverkehrs-Lawine aus dem Logistikzentrum Eichwald

Die vier am Gewerbe- bzw. Logistikpark Eichwald beteiligten Kommunen Sersheim, Sachsenheim, Oberriexingen und Bietigheim-Bissingen haben mit der Ausweisung und dem Bau des Logistikzentrums ihren Haushalt saniert. Wie der dadurch generierte Verkehr insbesondere der Schwerlastverkehr jedoch zu- und abgeführt werden soll, das wurde von diesen vier Kommunen weder vorher geplant noch wurde hinterher von diesen die Bereitschaft gezeigt, den entstandenen Verkehrsstrom durch den Bau von Straßen über die eigene Gemarkung abzuleiten. Vielmehr soll die Kommune Markgröningen der Leidtragende sein, das heißt die einen verdienen und Markgröningen soll den Straßenbau  zahlen und außerdem noch den Verkehr bewältigen. So schätzen wir die drohende Schwerlastverkehrs-Lawine aus dem Eichwald ein:
 
Das sind die bereits bekannten Erzeuger des Schwerlastverkehrs im Eichwald:
 
Winkels (Alwa): Winkels (das sind die blauen Laster mit der Aufschrift Alwa) besitzt in ihrem Logistikzentrum Eichwald gemäß ihrer Internetseite 110 LKW-Züge. Wenn davon täglich 100 LKW-Züge im Einsatz sind, dann bedeutet das 100 Ab- und 100 Rückfahrten, zusammen somt 200 LKW-Fahrten. Davon würde mind. die Hälfte das heißt 100 LKW-Züge den Weg über Markgröningen nehmen.
 
Breuninger: Die Fa. Breuninger fasst alle bestehenden Zentrallager in dem neuen Zentrallager Eichwald zusammen. Im Bau ist ein 1. Bauabschnitt. Ein 2. Bauabschnitt ist geplant. Gemäß der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 21./22. Oktober 2017 "rechnet Breuninger ... pro Arbeitstag mit 75 Lieferfahrzeugen, die zu dem Dienstleistungszentrum kommen und es wieder verlassen." Das macht zusammen 150 LKW-Fahrten, wovon voraussichtlich mindestens 2/3 die Strecke über Markgröningen nehmen würden. Macht 100 LKW-Fahrten pro Tag.
 
Porsche: Schon im Jahr 2014 erklärte Porsche stolz auf ihrer Internetseite: "Auf der von 113.000 auf 170.000 Quadratmeter vergrößerten Lagerfläche im Gewerbegebiet Eichwald nahe Sachsenheim sind über 100.000 Porsche-Teile abrufbar und werden mit zukunftsweisender Logistik an mehr als 800 Standorte in aller Welt geliefert. Für den Ausbau wurden insgesamt fast 80 Millionen Euro investiert." „Im Gewerbegebiet Eichwald befindet sich das logistische Rückgrat unserer Porsche Ersatzteil-Organisation: Durch die Erweiterung der Logistik-Kapazitäten unterstützen wir unsere Händler in aller Welt, auch bei stark gestiegenen Fahrzeugverkäufen einen vorbildlichen Service für den Kunden anzubieten“, sagte Produktionsvorstand Dr. Oliver Blume anlässlich der Eröffnungsfeier für die Inbetriebnahme der neuen Gebäude. Weiter heißt es dazu auf dem Newsroom, dem Medienportal von Porsche: "200 Lkw sorgen Tag für Tag für die An- und Auslieferung der verschiedenen Porsche-Teile."


Seitdem ist das Zentrallager von Porsche stark erweitert worden mit einem 30 m hohen Hochregallager sowie weiteren Lagerhallen. Abgesehen von der obigen euphorischen Beschreibung des Zentrallagers durch einen Porsche-Vorstand ist folgendes geplant: 4 Jahre lang sollen die gesamten (!!) Bauteile für die Produktion des 911-er in Zuffenhausen im Zentrallager Eichwald vorgehalten und dann just-in-time nach Zuffenhausen gefahren werden. Das erzeugt ein gewaltiges LKW-Verkehsaufkommen.
Übrigens: Ausgeliefert werden die Bauteile der Fa. Porsche u.a. durch die Firma Lila-Logistik die inzwischen den meisten Bürgern Markgröningens aus dem Stadtbild wohl bekannt ist.
 
Dräxlmaier: Auf ihrer Internetseite "Produktion in Sachsenheim Willkommen in der Fabrik der Zukunft" schreibt die Fa. Dräxlmair stolz über ihr Werk: "Täglich vollbringt DRÄXLMAIER produktionstechnische und logistische Meisterleistungen, um seine Produkte just-in-time und just-in-sequence an die Produktionsbänder der Automobilhersteller zu liefern. Mit hochkomplexen und effizienten Prozessen in unseren Produktionswerken meistern wir diese Herausforderung. An unserem Standort in Sachsenheim bauen wir aktuell eine moderne Batteriefertigung auf. Dort werden wir als System-Integrator ein äußerst leistungsstarkes 800-Volt-Gesamtbatteriesystem für einen rein elektrisch betriebenen Sportwagen fertigen. Dabei setzen wir Industrie 4.0 konsequent um. Modernste Fertigungsverfahren und komplexe Automatisierungstechnik sorgen dafür, dass unsere Batteriesysteme unser Werk in perfekter Qualität verlassen."

Was bedeutet das, wenn Dräxlmaier schreibt, in Sachsenheim wären sie System-Integrator? Das heißt, dass die Batterie-Zellen fix und fertig angeliefert werden und zur Bodenplatte des Porsche passend auf einer Platte zusammengefügt werden. Sprich: es handelt sich lediglich um eine Konfektioniereung und der Produktionsaufwand in Sachsenheim ist minimal. Die Konfektionierung erzeugt jedoch einen großen LKW-Verkehr, welcher die fertigen Batteriezellen anliefert und einen großen LKW-Verkehr, der die auf einer Platte zusammengefügten Zellen in das Porsche-Stammwerk Zuffenhausen fährt.

 

So wird sich die zusätzliche LKW-Kolonne auf das Umland auswirken.

 

Zusätzlich zum Verkehr aus dem Umland wird die aus dem Logistikzentrum Eichwald kommende LKW-Kolonne mit Freude die neue Umfahrung von Unterriexingen und Markgröningen als Route wählen. Bisher war der LKW-Verkehr durch das Durchfahrtsverbot einigermaßen eingedämmt. Mit der Herstellung der beiden Umfahrungen wären dann aber alle Dämme gebrochen.


Und der PKW-Verkehr? Die oben beschriebene LKW-Kolonne müsste sich dann durch 5 zusätzliche (!!) Kreisverkehre ( 2 x an der Tammer Straße, 2 x an der Asperger Straße und 1 x an der Möglinger Straße ) quälen.  Ob die PKW-Fahrer dann hinter dieser Kolonne, die nach jedem Kreisverkehr neu beschleunigen muss, hinterher zuckeln werden oder die gewohnte Direktverbindung durch die Unterriexinger Straße, Schiller- und Grabenstraße wählen werden? Ersteres wohl kaum. Das heißt, die Kommune Markgröningen hätte viel Geld ausgegeben welches an anderer Stelle fehlt, zwei Naherholungsgebiete wären schwer beschädigt, eine "Autobahn" um Markgröningen und Unterriexingen mitsamt einer dort rauschenden LKW-Lawine wäre die Folge und im innerörtlichen Verkehr bliebe alles beim Alten.